Mit DIY zum schallgeschützten Studio

Felix Klostermann vom Musikerportal Bonedo hat aus dem Schallschutz-Bedarf seines Tonstudios ein DIY-Projekt gemacht und seine Erfahrungen geteilt. Ein Auszug aus seinem Bericht zeigt: Dinaphon M 6001 ist dabei ein wertvoller Helfer.

Möchte man, dass der Schall des Proberaums, des Studios oder gar des HiFi-Zimmers in diesem bleibt, so muss man die Ausbreitung des Schalls verhindern. Das heißt, die direkten Luftverbindungen müssen unterbunden und Körperschallübertragungen deutlich verringert werden. Ein erster guter Tipp: Fenster geschlossen halten! Durch das Einbringen der richtigen Festkörper in die Luftausbreitung kann man schon einiges an Schallausbreitung (und Konfliktpotential mit den Nachbarn) vermeiden. Und wenn man jetzt noch ein Zimmer im Zimmer hätte oder noch ein Fenster vor dem Fenster, dann wäre es nach außen hin gleich viel leiser. Von der Außenwelt bekommt man so natürlich auch viel weniger mit, was insbesondere für Aufnahmeräume besonders wichtig ist. Und so sieht es in der Praxis dann auch tatsächlich aus: Man baut einen «Raum im Raum».

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Da es viele verschiedene Faktoren zu beachten gilt, ist ein solches Projekt von Laien kaum zu stemmen. Trotzdem ist nichts unmöglich und ich möchte mit dieser Mischung aus Ratgeber und Erfahrungsbericht ein paar Tipps und Tricks für den engagierten Hobby-Heimwerker zusammentragen, die ich vor allem beim Bau meines letzten Studios – mit strengem Blick aufs Budget – gewinnen konnte. Im Netz finden sich teils kuriose Baubeschreibungen, wo manch einer sich ein freistehendes Holzgerüst in einen bestehenden Raum zimmert – und sich das Leben unnötig schwer macht. Ich habe mir verschiedene Varianten angeschaut und bisher immer von solchen statisch durchaus fragwürdigen Versuchen abgesehen, bis ich den entscheidenden Hinweis in den Tiefen einiger amerikanischer Studio-Foren fand. Die Rede ist von Tecsound-Folie.

Texsa Tecsound aka Dinaphon M6001/5,3

Aus der Schweiz habe ich dann von Keller-Lärmschutz Dinaphon M 6001/5,3 bestellt – eine synthetische Schwerdämpfungsfolie auf Polymerbasis, visco-elastisch und bitumenfrei. Nur 5,3 mm dick und trotzdem massive 10 kg/m² schwer! Wir entsinnen uns: Masse ist dein Freund. Und diese Folie ist extrem schwer, dünn und gut zu verarbeiten – aber nicht ganz günstig. Auf den Anbieter Keller Lärmschutz AG bin ich aber nicht einfach so gestoßen, sondern erst über Umwege habe ich von diesem erfahren.

Es ist nämlich so, dass es Tecsound von Texsa in Europa gar nicht mal so wirklich gib. Wenn, dann wird nur in Kleinstmengen im Car-HiFi-Bereich verkauft, und das dann sehr teuer. In Deutschland konnte ich jedenfalls keinen Händler ausfindig machen. Keller in der Schweiz sowie eine weitere französische Firma wurden mir auf Anfrage offiziell von dem Amis als Anlaufstation in Europa genannt.

Da «Switzerdütsch» näher am Deutschen ist und ich Kommunikationsprobleme vermeiden wollte, habe ich mich kurzerhand für Keller entschieden und möchte an dieser Stelle noch einmal explizit für die erstklassige und fixe Beratung durch Kurt Graf danken. Der war von meinem Vorhaben zunächst überrascht, konzentrierte sich die Firma doch hauptsächlich auf industriellen Lärmschutz.

Im Gegensatz zu stinkender und klebriger Bitumenfolie lässt sich Dinaphon – abgesehen vom Gewicht – einfach verarbeiten und ist auch absolut geruchsneutral. Die Folie hat außerdem bereits eine Klebeseite und ist bei jeder Temperatur elastisch. Schneiden lässt sie sich ebenfalls einwandfrei und meine Vorsatzschale war im Nu damit tapeziert. Anschließend habe ich noch ein weiteres mal Gipskarton aufgeschraubt, das ich unten auf die überstehende Folie aufgesetzt habe – und war vom Ergebnis «überrascht».

Überrascht darüber, dass man die Nachbar-Band noch immer relativ klar hörte – wenn nun auch deutlich leiser. Das «restliche» Problem war aber eindeutiger zu lokalisieren, denn die Emissionen gingen kaum mehr von der behandelten Wand aus. Viel mehr war nun klar zu hören, dass sich die Emissionen vom nebenan über die geteilte Außenwand, den Boden und vor allem über die Decke einschlichen, welche von massiven Stahlträgern, die sich durch das gesamte Gebäude zogen, getragen wurde.

So ernüchternd das Ergebnis für den ersten Moment auch scheinen mag, es war dennoch klar: die Wand-Konstruktion mit Folie funktioniert, der Rest tut es nur eben noch nicht. Bereits beim Verkleben fiel auf, dass die folierte Wand viel besser in sich dämpfte, was Freunde des gepflegten Tiefbasses schätzen sollten. Das «Umpf» der Wand, wenn man kräftig auf sie klopfte, war fast vollständig verschwunden.

Fazit

Schallschutz-Maßnahmen sind aufwendig und teuer – vor allem im Vergleich zur reinen akustischen Behandlung eines Raumes. Aber es lohnt sich! Mit den richtigen Maßnahmen hält sich der Aufwand in Grenzen und die Kosten sind überschaubar. Mal eben nebenbei ist es allerdings nicht getan. Man sollte ebenfalls nicht vergessen, dass man sie eines Tages eventuell wieder zurückbauen muss, wenn man das Gebäude nicht dauerhaft besitzt – und auch das ist teuer. Allein die Entsorgung von Glaswolle kann eine kleines Vermögen kosten. Aber wie sagt man so schön: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

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